29. März 2006

Manchmal sass ich in einem Café und ein Augenkontakt kam zustande – ohne große Anmache oder dumme Sprüche meinerseits. Da genügte ein Grinsen und es funkte. Petra hatte mich darauf aufmerksam gemacht:

„Wenn du ein Lokal betrittst, richten sich alle Blicke auf dich!“

Noch heute ist es so: Mädchen und bestimmte Jungs, aber auch ältere Frauen rücken Tassen oder greifen in ihre Taschen, ohne etwas herauszuholen. Dabei war ich vom Gesicht her nie ein besonders gutaussehender Mann, es ist mein Ganzes, das, was manche Aura nennen. Vielleicht wollen sich diese Menschen jemandem auszuliefern, dem Hingebung Vergnügen verschafft. Das ist doch schon etwas und wenn es nur für ein paar Stunden ist. Die Orte, an denen hübsche Blondinen, Brünette, Rothaarige oder Graumelierte an mich geraten sind, habe ich vergessen, sie sind zusammengezogen in eine einzige Bewegung, ein Kreiseln und Fallen in Abenteuer und das Geräusch von klopfenden Betten und klatschendem Fleisch – wahllos auf Laken, Sofas, Decken, Tischen, Waschmaschinen, Küchenarbeitsflächen oder Autositzen, aber konzentriert darauf, jenes warme, zärtliche Innere so lange wie möglich flüssig zu machen. –

Ich muss gestehen, inzwischen ist auch mein Sex chemisch unterlegt: Kamagra. Es wirkt nicht nur physisch, sondern setzt eine erstaunliche innere Bereitschaft frei, zu warten, zu beobachten und zu genießen. Ich komme nicht mehr ohne Weiteres und so ist Ficken etwas, mit dem ich mich in Zustände hineinsteigere wie früher beim Radsport. High und doch fokussiert. Natürlich brauche ich es nicht aus organischen Gründen, ich bin wieder Sportskanone, nehme zudem Anabolika, meine Libido ist über dem Anschlag. Doch ich will mehr, noch größere Intensität, mehr Schweiß und glasige Augen. Eine Sucht vielleicht, ich wache nachts und morgens auf und möchte am liebsten sofort mein nächstes Date ausmachen. – Mir reicht für solche Abenteuer eine halbe oder eine Drittel-Tablette, ein bröseliges Bruchstück, das den entscheidenden Kick bringt und sei es nur als Placebo. Oberflächlich färbt die Beschichtung die Zunge kurz blau – ich putze mir meistens die Zähne, auch wegen des bitteren Nachgeschmacks, innerlich macht es mich high und ich spritze nur dann, wenn ich es will und manchmal gelingt selbst das nicht. Ich liebe den schwitzigen Marathon und will sehen, wie die Frauen unter mir ihre Reflexe nicht mehr im Griff haben, ich liebkose sie dann, damit sie sich nicht schämen und in noch längere und stärkere Spasmen geraten. Mit meiner Statur, dem dazugehörigen Schwanz und dieser Technik bin ich auch in Bordellen ein geachteter Mann, keine sagt nein. Einige meiner zahlreichen Liebhaberinnen fragen mich, obf ich denn nicht kommen will, aber ich sage einfach nur, der „Weg ist das Ziel!“ Ehrlich, ich sage das.

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