15. April 2005

Wie wichtig Frauen in meinem Leben sind, kann ich gar nicht ausdrücken. Meine große Studentenliebe war Petra.

Petra traf ich in Köln auf einem Sportplatz. Wie sie da die Bahnen lief, straff und geschmeidig, da konnte ich nicht wegschauen. Als sie pausierte, sprach ich sie an und lud sie zu einem Kaffee ein. Sie zeigte mir die kalte Schulter, dann lief ich am Rand mit und feuerte sie mit Kamera in der Hand an – trotz Sprinterqualtiäten kam ich nicht hinterher. Sie prustete vor Lachen, aber wir verabredeten uns zum Essen. -

Petra übertraf jede ihrer Vorläuferinnen, vielleicht war sie überhaupt die Beste in meinem Leben. Sie war hart, sie war stark, jemand, die jedes Ziel erreichte. Damals konnte sie lachen, wirklich lachen. Ihr Humor erzeugte selbst an trüben Tagen Lust auf Sitzen im Café und Quatschen mit ihr, Hand in Hand. An ihrer Seite konnte ich mir alles vorstellen, anfangs jedenfalls. -

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16. April 2005

Petra studierte Sport. Sie war ein echtes Lauftalent mit großen Chancen. Doch bei ihr beschäftigten mich andere Ziele.

Bis zu unserem ersten Date in ihrer Wohnung dauerte es am nächsten Tag wenige Stunden. Wir liefen zunächst durch die Stadt, saßen in einem Straßencafé, ich begleitete sie heim und ja, sie lud mich zu sich ein. Sie lebte in einer kleinen Box von fünfunddreißig Quadratmetern, einer dieser fünfziger Jahre Bauten, deren es in Köln so viele gab. Wie schnell zogen wir uns die Kleider vom Leib? Zeit gab es nicht.

Weil wir laut waren, hörten wir bald das Klopfen der Nachbarn, die in unseren Beat Gegentakte setzen. Uns kümmerte das nicht, wir machten in Ruhe weiter, so man den Sex mit Petra ruhig nennen konnte.

Sie war unschlagbar. Anders als meine Frau Ursula liebte sie Ficken, ihr Körper antwortete auf jeden kraftvollen Stoß, er hielt gegen, nahm auf und zog weg und sprang mich an. Sie war dafür geboren, auf Flüssigkeiten zu schwimmen. Unsere Körper fanden immer den richtigen Winkel, die beste Neigung und den genauen Rhythmus, wieder und wieder. Petra war Busen, Kurve, knackig und knallig. Sie ließ sich fallen und genoss – mit vollem Einsatz ohne Ermüdung. – Ich wollte dieses Ereignis filmen, dieses Unding aus Fokus und Chaos. Aber Petra sagte: „Nein, du sollst dich an mich erinnern.”

haus

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17. April 2005

Fokus, Fokus, Fokus – das ist einer meiner Mantras. Wie oft konzentrieren sich die Menschen nicht. Sei´s beim Sport, wo sich schnell unsaubere Bewegungsabläufe einstellen, sei´s im Alltag, wo man seine Routinen schleifen lässt. So trifft sich Ost und West, Meditation und Wille: Man muss bei der Sache sein und darf sie nicht verhudeln, das Vorgängige gleichzeitig bewertungsfrei zur Kenntnis nehmen und es doch verbessern wollen, immer besser werden, gerade weil man gefehlt hat und weiß, dass es nicht besser geht. Es ist einfach mehr drin. Wie viel mehr gilt das für jemandem, der einen mordsmäßigen Aussetzer überlebt hat, der noch bis vor kurzem von einem Gipsbett gestützt werden musste und nun buchstäblich wiederaufersteht.

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19. April 2005

Fitte Menschen sind morgens die ersten. Das habe ich meinen Sportlern stets gepredigt. Klar, ich weiß, dass selbst unter ihnen die Mehrheit es nicht sonderlich schätzt, morgens noch eine Stunde früher aufzustehen. Ich versichere jedem, dieses Gefühl bestens zu verstehen. Doch dem halte ich entgegen:

„Wenn ich dir sagen würde, dass der Morgen die wichtigste Zeit am Tag ist? Die Zeit für Fokus, ungestörte Produktivität und Selbsteinsicht?“

Die schütteln meistens den Kopf und ich sage: „Gewinner wissen, dass der Kopfsprung am stillen Morgen den Schwung erzeugt, der einen durch den Tag trägt. Ganz so wie es der berühmte Erfolgstrainer Robin Sharma predigt:

Um zur als Mensch zur Weltklasse zu gelangen, solltest du früh aufstehen! Man braucht nur 60 Minuten, um seinen Geist zu stimulieren, den Körper zu nähren und den Charakter zu entwickeln!“

Hier im Krankenhaus, wo die Frühschichtschwestern morgens um sechs durchs Zimmer wirbeln und die Nachschwester nach Mitternacht noch Tabletten verteilt, ist das hart. Aber ich schaffe es trotzdem: Jeden Morgen um zwanzig vor fünf!

Unter diesen Bedingungen kämpfe ich um meinen Schlaf. Zu wenig Nachtruhe bedeutet, dass der Körper mehr Fett speichert, die Muskeln kleiner werden und der Stoffwechsel das falsche Essen will. Nach dem Mittagessen trinke ich keinen Tee oder Kaffee und nach dem Abendbrot (17h30!) bitte ich die Schwestern, die Gardinen zuzuziehen. Ich nehme zwei Dosen Melatonin. Kein TV, kein Handy – nichts was meine Ruhe stören könnte. Daher schlafe ich in dem Krankenhaus wie ein Boss!

Meine Routine:

1. KÖRPERARBEIT

Morgens, wenn selbst die Nachtschwester leise ist, mache ich bereits 15-20 Minuten trotz Schmerzen die Übungen, die mit meinem kaputten Körper im Bett möglich sind: Arme und Beine heben – ich bin nicht undankbar für den Gips und die Nägel, die meine Extremitäten beschweren. Selbst Sit-ups gehen!

2. ERNÄHRUNG

Dann esse ich von den Riegeln, die mir meine Frau bringt. Anschließend bitte ich um Tee. Ja, Morgens braucht es Koffein! So dominierst du deinen Start! Den ganzen Tag achte ich auf eiweissreiche Kost, damit die Muskeln durch die erzwungene Bettruhe nicht beschleunigt schrumpfen.

3. LESEN

Nicht alle Leser sind Führer, aber alle Führer sind Leser!

Ich lese morgens, um meinen Geist fit zu halten! Selbst als Arzt mit jahrelanger Erfahrung will ich in meiner Profession an der Spitze bleiben.

4. SCHREIBEN

Das Verfassen von Gedanken und Zielen gehört zur täglichen Routine, die mich wieder in Form bringt. Über Körper und Geist gestaltet man Realität: Dieser Blog wird mich (wieder) zu dem Menschen machen, der ich sein will, er liefert mir Motivationsvitamine.

(Alon Shabo)

Meditryp

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21. April 2005

In dem Augenblick, in dem ich wirklich ganz raus durfte, war ich sprachlos. Beim ersten Mal hatte ich noch im Rollstuhl gesessen und versucht, diesen Zustand zu ignorieren. Das Aufstehen aus dieser rollenden Krücke war hart gewesen, es gelang nur minutenweise – etwa wenn ich in meinem Büro allein nach den Akten suchte, da hatten mich ganz andere Kräfte bewegt.

Nun lief ich wie ein normaler Mensch, nur dass ich jeden Muskel fühlte. Sie waren alle da: Langer Wadenmuskel, Zwillingswaden- und Schollenmuskel und wie sie heißen! Egal, dass der Himmel grau war.

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22. April 2005

Schon der erste Schritt in die Wohnung war ein Schock. Ursula hatte in meiner Abwesenheit alle Zimmer umgestaltet und mir wichtige Dinge entfernt. Küche und Esszimmer waren vollkommen steril, es machte mich sprachlos. Wozu hatte ich das Krankenhaus verlassen? Ursulas Erklärungen ignorierend – es war nichts schöner als zuvor – lief ich ins Büro, auch alles neu. Meine Akten und Kladden fehlten, stattdessen die Zombie-Oberflächen eines Vorzeigezimmers. Ausgerechnet die Kladden, in denen viele Kontakte, Geschäftstermine und die Trainings- und Dosierungsergebnisse von Sportlern festgehalten waren, weg! Was wollte Ursula?

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22. April 2005

Ursulas Wunsch nach weiteren Unterlagen macht mir Sorgen. Wenn diese in die falschen Hände fallen, könnten sie ein verzerrtes Bild von mir entstehen lassen und meinen Ruf als Sportarzt schädigen. Die noch losen Belege von Reisen in die DDR, China und Osteuropa, die in einem Umschlag in einer Ablage meines Büros liegen, werde ich vorsichtshalber auch wegschließen. -

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24. April 2005

Ursula bin ich während eines Urlaubs in den Bergen begegnet – auf meinem Fahrrad, in meiner Montur, in meinem Tempo in den Ort schießend, verschwitzt und durch das Fahren in waldigen Serpentinen mit dem Gefühl von Broccoli im Kopf. Ich sah sie mit ihrer zierlichen Figur, den kurvigen Hüften im weißen Dienstkittel in großen Schaufenstern stehen und hielt sofort an, scheinbar um etwas zu trinken, und ging in die Bäckerei. Sie hatte meine Totalbremsung wie elektrisiert beobachtet, da war ich sicher. Trotzdem schaute sie beim Klingeln der Tür weg, um mit ihrer Kollegin zu reden. Ich wartete, bis sie mich bedienen musste, und verwickelte sie in ein Gespräch: Was für ein schöner Tag es sei? Ob sie aus Garmisch käme? Was man da machen könnte? Sie war dort in Ausbildung. Ihre Augen funkelten, ihre kleinen schlanken Hände versteckte sie unter der Ladentheke. Wir verabredeten uns, dank einer Ausrede erhielt sie einen freien Tag, es ging sehr schnell mit uns, ich habe sie schlielich in den Norden geholt. Das war unser Mythos, wie wir ihn erzählten.

Erst waren wir im siebten Himmel, sie war begeistert – von mir natürlich, wie ich sie beim Sex durch die Wohnung tragen konnte, und von meiner Heimat. Sie nannte sie aufgeräumt, bewunderte bei unseren Spaziergängen, die wir Hand-in-Hand auf den Deichen machten: Den Ausblick über die Marschen, die Ahnung vom Meer am Horizont und die Tage nach Regenschauern, die auf einmal kamen und gingen. Der Niederschlag verwandelte die Luft in einen Kristall, fest, zusammengezogen und die Welt verschwamm nicht mehr an diesigen Rändern. Sie wurde unendlich. Nach einem Schauer war Detern wie eine riesige Bühne, dann schauten sich die Menschen genau an und redeten über ihre Beobachtungen.

Genau das mochte die kleine Ursula nicht, sie nannte es tratschen. Sie hatte stets Geheimnisse, die sie mit grünen Fensterläden abschatten wollte. Etwa ihr Verhältnis zu dem übergriffigen Bäcker, bei dem sie die Lehre gemacht hatte, bevor sie mit mir kam, erklärte sie mir nicht. Da lächelte sie stur.

Folgerichtig hasste sie meine Kamera, mit der ich jederzeit Dinge festhielt, damit sie hinterher nicht sagen konnte, so war es nicht. Sie fand das grässlich, schlimmer noch als meine Alarmanlage. Doch genau darin bestand meine Professionalität, mein System, mit dem ich mir anvertraute Menschen voran brachte. Mach’ dich ehrlich – ist ein weiteres Mantra von mir. Ich habe da meine Methoden als trainingsbegleitender Sportarzt.-

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27. April 2005

Heute juckte mich der Hafer. Für die Zeit nach der Rehabilitation gab ich diese Anzeige auf:

Agiler Sportarzt möchte nach seiner Rehabilitation weltreisen. War mit dem Bike in Wladiwostok. Wer will mit mir in einem halben Jahr nach Dakar?

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